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Berichte ab Tag 1 - 26.11.2006

Der große Tag ist gekommen. Wunderbares Wetter und gute Stimmung. Viele Zuschauer sind gekommen um der Abfahrt der über 200 Schiffen an zu schauen. Da wir Angst vor einer Kollision mit anderen haben halten wir uns vor dem Start im hinteren Hafenbecken auf. Was für ein Fehler, der Wellenbrecher hält allen Wind ab und wir haben Schwierigkeiten mit Parasailor über die Startlinie zu segeln. Als einer der Letzten ist es dann doch noch gelungen. Außerhalb des Hafen weht ein leichter Wind und die Schiffe ziehen davon. Doch nicht so einfach mit dem Spi zu segeln. Endlich steht er gut und wir holen auf. Da reißt an Sprayhood eine Naht. Ich versuche sie mit der Hand zu nähen, wenigstens so das sie nicht weiter auf gehen kann. In der Achterkabine fällt der Korb mit dem Gemüse und Früchten um und die Kleiderstange bricht. Ein schönes Durcheinander. Bei Einbruch der Dunkelheit befinden wir uns im Mittelfeld. Die Wellenhöhe von 3-4m erlaubt uns nicht den Autopiloten zu benutzen und wir wechseln uns beim Steuern ab. Richtig harte Arbeit weil die Temptation immer wieder aus dem Ruder läuft. Der Wind nimmt zu und wir verpassen den richtigen Zeitpunkt zum Bergen. Das rächt  sich
gewaltig: Der Parasailor verdreht sich total und Fritz wird, durch die Wellen, auf dem Vorschiff hin und her geworfen. Da ich steuern muß kann ich ihm nicht helfen und das Spinackerfall mit einer Hand nicht festhalten. Das Fall rauscht hoch in den Mast. Das war es mit dem Spi segeln, denn auf See mit den Wellen Fritz in die Mastspitze zu winschen, kann ich mir nicht vorstellen. .Endlich gelingt es Fritz den Spi durch die Luke ins Vorschiff zu ziehen.Wir versuchen die Genua zu setzen, aber durch das Verdrehen des Spis  unmöglich. Also entschließen wir uns schweren Herzens den nächsten Hafen an zu laufen. Port Morgan liegt ca.38 sm entfernt und ist auch bei Nacht an zu steuern. Zwischendurch probieren wir es noch einmal mit der Genua. Da kommt sie hehruntergerauscht und wir haben Probleme sie auf das Schiff zu zerren. Fritz informiert über Funk die Flottille und per e-mil  das ARC Büro. 2 Uhr in der Nacht erreichen wir Port Mogan. Angelegt und Fritz in die Mastspitze gewinscht. Er holt das Fall und die Rolle der Genua runter . Durch das Schlagen des Spis ist der Schäkel der Rollgenua aufgegangen .Genua wieder hochgezogen und den Schäkel abgeklebt . Um 4.00 Uhr Port Morgan verlassen. Leider sind wir jetzt ca. 50sm hinter der Flottille aber wir werden sehen was da noch zu machen ist. Das ARC Büro bot uns Unterstützung an ,die wir ja nun nicht brauchen. Noch ein anderes Schiff hatte das gleiche Problem und an einigen andren sind Teile gebrochen. Da wir kein Kurzwelle haben können wir uns nur über das Sat Telefon mit einigen beraten. Eigentlich wollte ich schon aufgebe und zurück segeln ,aber Fritz ist guten Mutes es auch so zu schaffen und sagt: Wir haben unseren schlechten Tag schon hinter uns ( hoffentlich) Den Katzen geht es überraschend gut, trotz des hohen Seeganges was vielleicht daran liegt das der Parasailor das Schiff schön stabil hält und wir kaum rollen. Todmüde sind wir beide nach dieser Nacht und werden gleich mal versuchen etwas Schlaf nach zu holen.

TAG 2 - 27.11.06

Vom Gestrigen schlechten Tag ein bisschen erholt geht es weiter Schönstes Wetter aber kein Wind . Wir holen die Position von Papaver und Chaser2, die 50sm vor uns sind und Wind haben. Wir sind ein bisschen traurig, dass unsere Reise so schlecht beginnt. Wir versuchen aus dem Flautengebiet zu motoren. Heute noch kein Schiff gesehen ,aber wenigstens der Wassermacher tut seinen Dienst, ohne  das wir das Salzwasser im Kanister ins Cockpit holen müssen. Wir wollen uns eine Dusche gönnen und füllen den schwarzen Sack um ihn in der Sonne aufheizen zu lassen. Doch nicht, die Sonne verabschiedet sich aber dafür kommt der Wind. Wir setzen den Parasailor, was  prima klappt und nehmen Fahrt auf. Traumhaftes segeln ohne Geigen vor dem Wind .Biggi sendet über Sat Telefon den Wetterbericht und unsere Position in der ARC 160 Na ja. Die Spici ruft an : Motorprobleme . Sie müssen auf Ersatzteile warten und haben Puerto Rico angelaufen. Denen geht es viel schlechter als uns. Der Wind nimmt zu und wir holen den Spi um 22.00 Uhr ,diesmal rechtzeitig herunter, was Dank des Autopiloten gut funktioniert. Nur mit Genua geht es in der Nacht gut voran. Ein wunderschöner neuer Tag mit traumhaften Segelbedingungen.

TAG 3 - 28.11.06:

Gute Segelbedingungen bei 22 Knoten Windstärke 6. Nur unter Genua erreichen wir des Öfteren Rumpfgeschwindigkeit. Biggi schickt uns unsere Position in der ARC 121, welches die Stimmung hebt. Ansonsten sind wir ganz allein auf dem großen Meer. Unsere Lieben haben uns ein Geschenk mit auf den Weg gegeben, welches wir gestern angeschaut haben. Vielen Dank dafür. Wir sind beide ganz gerührt. Das Bild mit den 5 Enkelkindern hängt nun in der Temptation und wird uns auf der Reise begleiten. Ansonsten kehrt langsam Alltag ein. Schlauch am Waschbecken undicht, Spanngurt am Banana Boot durchgescheuert, Genua Unterliek durchgescheuert (mit Tape repariert). Schwieriges Kochen und Spülen und Essen. Duschen im Cockpit mit kaltem Wasser im Wind ist schon eine Herausforderung. Hat aber gut getan. Um Süßwasser zu sparen, haben wir eine große Gummischüssel ins Cockpit gestellt und spülen mit Salzwasser das Geschirr vor. Die Nacht war unruhig und wir mussten öfter die Genua von Steuerbord auf Backbordbug gesetzt werden. Schlafen nur mit Leesegel und eingeklemmt mit Kissen, sonst war das Rollen zu stark. Zum ersten Mal sehen wir ein Licht in der Nacht - könnte ein ARC Schiff sein? Morgens versucht Fritz auf UKW Kontakt zu Schiffen zu bekommen und tatsächlich meldet Lady Stardust sich. Ach ist das schön, wir sind zurück in der Flottille. Auch die Chaser 2 ruft über Sat an und auch denen sind wir näher gekommen. Fritz ist glücklich, denn der Wetherdock zeichnet alles, was er sich an Wetterkarten wünscht, auf. So kann es bleiben.


TAG 4/ 5 - 29/30.11.06

Der 4. Tag beginnt mit einem Etmal 141sm (gesegelte sm in 24h).Da wir um 13.00 Uhr gestartet sind endet der Tag am nächsten Tag um 13.00 Uhr. Am Nachmittag nimmt der Wind ab und wir setzen den Parasailor. Sofort liegt die Temptation ruhig im Wasser und Fritz teure Sonnenbrille im Wasser. Das Rollen hört auf und die Dusche im Cockpit wird zum Kinderspiel. Über Chanel 16 hören wir, dass die Flying Star ein Boot mit Flüchtlingen gesichtet hat. Sie rufen die Küstenwache und bekommen Order zu warten bis ein Schiff der Küstenwache in 10 bis 12 Stunden kommt (Alptraum) Fritz hört die Funkrunde der ARC auf SSB mit und stellt fest , dass wir nicht so schlecht liegen und welche Erfolge die Anderen beim Angeln haben. Ob wir die Angel noch benutzen werden? Die genaue Position in der Rally werden erst nach Ende bestimmt, da viele Schiffe motoren und diese Stunden abgezogen werden. Nur bei den Racern  ist das anders, die dürfen nie motoren. Da wir nur wenig Diesel haben, können wir auch nicht motoren, denn wir brauchen den Diesel um unsere Batterien auf zu füllen. Ein paar Mal Funkkontakt mit anderen Schiffen gehabt, gibt uns das Gefühl nicht allein zu sein. Stress beim Kochen und Wassermachen. Die 5l Flasche fällt um und die Hälfte vom Wasser vergeudet. Nun muß Fritz sie festhalten. Im Schiff zu kochen ohne das Fritz die Sachen festhält ist eine Herausforderung. Wir sind 2 Stunden mit Kochen, Essen und Spülen beschäftigt. Danach fangen die Wachen an. Da der Spi über Nacht stehen bleibt bedeutet es für jeden von uns gut aufpassen und Kurs korrigieren. Nach jeweils 2 Stunden wird gewechselt. Traumhafte Nacht, mit Millionen von Sternen und einem halben Mond von dem die untere Hälfte leuchtet. Wir haben den Tropic of Cancer (nördlicher Wendekreis) überquert und entsprechend warm ist es auch. Um 23.30 Uhr kreuzt 100m  hinter uns ein Schiff auf und wir können noch die Lichter von 2 weiteren Schiffen sehen. Ein gutes Gefühl nicht ganz allein auf dem Ozean zu sein.Am Morgen wieder Funkkontakt mit mehreren Schiffen unter anderem mit Atalaya mit einem kleinen Hund an Bord. Lucy geht es genau wie unseren Katzen gut.

TAG 6/ 7: 30.11/ 1.12.06

Trotz wenig Wind 133sm gesegelt. Biggi, unser treue Seele schickt den Wetterbericht und schreibt, dass wir wieder mitten im Feld der ARC sind. Wir merken das an den vielen Funkkontakten und hatten sogar mit 4 Schiffen Sichtkontakt  Sie schreibt auch, dass in den ARC News stand, dass die Flying Star 15 Flüchtlingen das Leben gerettet hat. Der Vormittag war ausgefüllt mit Logbuch ,Email schreiben und Funken. Es stellt sich eine tägliche Routine ein und wir sind auch nicht mehr so todmüde zwischendurch. Damit der Stress des letzen Tages  sich nicht wiederholt läuft der Wassermacher am Mittag. Durch das Geräusch werden Delphine angelockt und schwimmen um unser Schiff . Auch die warme Mahlzeit verlegen wir auf  15.00 Uhr um am Abend mit Kochen nicht noch mehr das Schiff auf zu heizen, denn wir sind in den warmen Regionen angekommen. Da der Wind eingeschlafen ist müssen wir  45 Minuten motoren. Oh, je die Platzierung in der ARC! Traumhaftes Wetter !!!  Nachmittags repariert Fritz die Befestigung des Parasailors am Anker. Dadurch das nun ununterbrochen gesegelt wird müssen wir ständig alles kontrollieren, weil das Material hohen Belastungen ausgesetzt ist. So gibt es immer etwas zu tun und die Bücher warten weiter darauf gelesen zu werden. In der Nacht haben wir noch Windstärke 1, aber keine Welle und unser leichtes Schiffchen wird noch  vom Parasailor gezogen, wobei  wir ständig den Kurs korrigieren müssen damit er nicht einfällt. Gegen 6.00 Uhr wird der Wind wieder stärker und um 9.00 Uhr schönstes Passatsegeln mit 6-7kn Fahrt ohne Geigen. Gefrühstückt wird im Cockpit mit Tisch ohne das Alles herunterrutscht Wir sind sehr zufrieden den Parasailor gekauft zu haben und segeln glücklich im Passat.

TAG 6: 01.- 02.12.06

Trotz Flaute 118sm mit dem Parasailor zurückgelegt ist schon erstaunlich. Heute Müsli gebacken und Curry für 2 Tage gekocht. Fritz versucht die Kleiderstange zu reparieren. Kein Sichtkontakt zu anderen Schiffen. Über Funk mit Atalaya gesprochen, die haben schon wieder Feinen Fisch gefangen. Ein großer über 1m ist ihnen von der Leine gegangen. Auch Phil von der Chaser2 (13,17m) hat eine 1m lange Dorade gefangen und sie eingefroren. Fritz bringt unsere Schleppangel aus. Nach kurzer Zeit ruckt die Angel und wir sehen Vögel fliegen. Schnell wieder die Angel eingeholt, aber nichts ist dran. Wir lassen das Fischen erst einmal sein. An unserer Backbordseite sehen air ein Schiff mit Parasailor und nehmen über Funk Kontakt auf. Es ist die Talulah (Katamaran 12.37m) mit Paul und Anette an Bord. Sie feiern Anettes Geburtstag mit Champagner, hmm. Da der Wind stärker wird und auch die Wettervorhersage für die nächsten Tage stärkeren Wind zeigt, holen wir um 18.00 Uhr den Parasailor herunter und setzen die Genua. Sofort wird das Rollen der Temptation stärker. Biggi schickt uns den Wetterbericht und schreibt, dass wir keine ARC Position gesendet haben. Wir wissen nicht warum, da unsere andern Mails gesendet worden sind. Plötzlich riecht es, nein, es stinkt erbärmlich nach Fisch. Wir suchen mit der Taschenlampe alles ab und tatsächlich - ein fliegender Fisch hat sich in unser Cockpit verirrt. Er lebt noch und Fritz befördert ihn ins Wasser zurück. Unglaublich, dass ein lebender Fisch so stinken kann. Der Wind nimmt weiter zu und damit auch die Wellenhöhe. In der Nacht reffen wir die Genua um 40% und segeln immer noch mit 5,8kn. Morgens haben wir Funkkontakt mit 3 anderen Schiffen, welche Windmesser an Bord haben. In der Nacht war der Wind bis 34 kn (gute 7Bf) stark. Im Moment 24kn (6Bf). Der Wetterbericht hat nur 22kn (gute 5Bf) vorhergesagt. Zum Frühstück nur Müsli und Cola, an Kaffee kochen ist nicht zu denken. Hoffentlich wird es nicht noch schlimmer. Ein Gutes habe ich noch zu melden:, den Katzen geht es prima.

TAG 7 02.-03.12.06 

Etmal ca 130 SM. Anstatt mit 15-20 kn, laut mehrerer verschiedener Wetterberichte, segeln wir, ja mehr wir laufen vor dem Wind 25-35  kn (gut /Bf) ab. Nicht wie geplant mit 78qm. Parasailor, sondern mit bis auf 10qm gereffte Genua wird mit 5,6kn gesegelt. Sehr instabil und rollig. Aber mehr verträgt unser Mast nicht und fängt an zu pumpen. Da ich schon vorgekocht hatte, bekommen wir wenigstens eine warme Mahlzeit. Mit der Atalaya und Talulah gesprochen, alle haben ein bisschen Angst vor den hohen Wellen. Biggi und Karsten senden Nachrichten und ARC Plazierung über Sat Telefon.Wir freuen uns darüber sehr. Um 17.00  steigt die erste Welle ins Cockpit und unsere Angst wächst. Fritz holt den neuesten Wetterbericht ein, weiterhin guter Passat mit 15-20 Kn. Ich habe versucht Kaffee zu kochen ,mit einem nicht so guten Ergebnis. Alles schwappt überall herum. In der Nacht,die bei uns um 20.00 Uhr beginnt ist an Wachwechsel nicht zu denken. Wir sitzen im Cockpit und warten, dass der Wind nachlässt. Die Wellenhöhe von 4m ist sehr ängstigend und wir  schlagen  zweimal quer  legen uns auf die Seite und die Temptation richtet sich wieder auf.. Alles im Schiff fliegt herum. Sogar die Katzenkiste hat ihren Inhalt in der Temptation verteilt. Manchmal legt sich einer von uns in die Koje um eine halbe Stunde zu schlafen. Das Schiff ächzt und wimmert und wir merken die Belastung des Schiffs. Nur den Katzen geht es gut, sie versuchen zu fressen und zu trinken, Ich räume zwischendurch das Schiff auf.gegen 5.00 Uhr wird es etwas besser ,aber nur für eine halbe Stunde.Um 9.00 Uhr Funkkontakt zu Atalaya und Silene. Bei Atalaya funktioniert der Generator nicht. Da sie kein Gas sondern alles elektrisch ist schon ein großes Problem. Silen ist ein ähnliches Boot wie unser und auch sie haben Wasser genommen . Dazu nimmt das Schiff Wasser und die Bilgenpumpe läuft die ganze Zeit.

TAG 8: 03.-04.12.06 

Der Wind hat etwas nach gelassen und wir sind damit beschäftigt, Schlaf nach zu holen. In der Temptation herrscht Chaos, welches nicht so einfach zu beseitigen ist bei dem Seegang. Wir rollen um 60 Grad haben, Gott sei Dank, keine Probleme mit Seekrankheit. Da uns 4 Eier angeschlagen sind, gibt es Kanarische Kartoffeln (kleine Kartoffeln mit Schale  gekocht und gegessen) mit Spiegelei und Tomatensalat. Karsten und Biggi senden Nachrichten über Sat Telefon. Platz 160 in der ARC - nicht schlecht und unser Et von 134sm auch nicht. 1 Stunde den Wassermacher laufen lassen, nur mit Strom von Solar und Windgenerator. Beides hat sich bisher gut bewährt. Duschen im Cockpit ist ein Balance Akt. Die Nacht war durch die rollende See nicht wirklich zu genießen, obwohl Vollmond ist und ich diese Nächte überaus liebe. “Alles ok?” ist morgens beim Funk die erste Frage. Wir haben nur noch mit SY Silene Funkkontakt, die eine Weiterleitung zu SY Atalaya macht, die weiter südlich von uns sind. Eine Yacht hat May Day gerufen. Wir sind betroffen, es ist Joe der einen Zusammenbruch hat, immer einhand segelt und nur für die ARC 2 Freunde an Bord hat. Einer ist Arzt, aber keiner Segler. In 10-12 Stunden wird ein Motorschiff zur Hilfe kommen. Immer noch 3m hohe kurze durcheinanderlaufende Wellen, aber der Wind ist nicht mehr so stark. Nur noch 22kn (6Bf) Wind. Wir segeln trotz Rallye immer schön langsam, um unser Rigg nicht zu gefährden.

TAG 9: 04. - 05.12.06 

Tag 9 beginnt mit Et 133sm. Die Wellenabstände sind etwas größer geworden. Dafür kommen sie aus allen Richtungen und lassen uns tanzen und schwollen. Deshalb probieren wir mehr Stabilität durch Geschwindigkeit zu erreichen. Mit  SY Silene konnten wir noch Funkkontakt halten,  aber SY Atalaya haben wir leider verloren. Über Sat Telefon hören wir, dass dort alles in Ordnung ist. Am Abend kommen SY Papaver und Sy Flying Star in UKW Reichweite. „Schön ein bisschen zu klönen, genau wie ich das liebe“ sagt Fritz. Biggi, Babsi und Karsten schicken Berichte und Grüße, worüber wir uns sehr freuen und was uns ein bisschen die Zeit vertreibt. Ansonsten ist bei dem Seegang alles sehr anstrengend und mit vielen blauen Flecken verbunden. Arnika ist bei uns ständig im Einsatz. In der ARC Rallye können wir leider nicht mehr mithalten, weil bei dem starken Wind alle Schiffe nahe an Rumpfgeschwindigkeit laufen und die liegt bei Temptation bei 6,8kn. Also heißt es für uns, auf Schwachwind zu warten. Ob der wohl noch kommt und damit geruhsames Segeln im Passat?

TAG 10: 05. - 06.12.06 

Tag 10 beginnt eigentlich ganz gut, da der Wind schwächer geworden ist. Wir segeln, was wir können mit der vollen Genua. Da der Autopilot den Kurs durch die vielen Wellen nicht halten kann, müssen wir dauernd korrigieren. Als ich bei den Vorbereitungen für das Mittagessen war, klingelte das Telefon und Fritz kam ins Schiff, um den Anruf entgegen zu nehmen. Da passiert es, Temptation läuft aus dem Kurs und eine Welle steigt ins Cockpit. Wir nehmen es schon viel gelassener. Da der Niedergang zu war, kam nichts ins Schiff und Lenzventile zogen das Wasser schnell wieder ab. Kurz den Kurs geändert und Mittag gegessen. Die Atalaya hat über Sat Telefon angerufen und wir klagen uns gegenseitig das Leid über die starken Wind und die unglaublichen Wellen. Zum Schluss erhalten wir eine Einladung, auf die SY Atalaya zum Champagner trinken in ST. Lucia. Funkkontakt mit Silene, die eine ähnliche Geschwindigkeit fahren wie wir. Vielleicht können wir zusammen bleiben, was unsere Sicherheit erhöhen würde. Babsi ruft an und Bianca schickt eine schöne Mail und natürlich Biggi informiert uns über Wetter und ARC News. Danke an alle. Dann wird es dunkel und folgt eine schreckliche Nacht mit viel Angst. Der Wind nimmt zu und wir haben viel Angst. Erst fällt der Auto Pilot aus, dann reißt beim Schiften der Genua die Toiletteluke auf und die Genua bleibt hängen. Also Fritz nach vorn und klären. Ich gehe an das Ruder und Fritz versucht, den Auto Piloten zu reparieren. Es ist nur der Anschluss. Dann Wasser im Schiff und in der Bilge. Erst einmal leer gepumpt und dann die Seeventile kontrolliert. Nichts, alles in Ordnung, aber was kann es sein. Löst sich der Kiel? Fritz probiert das Wasser, ein Gemisch aus See- und Süßwasser. Ein 5l Wasserbehälter ist undicht und ein paar Mal hat sich das Katzenwasser ins Boot verabschiedet. Ach, ja da fällt mir ein auch die Spülschüssel samt Inhalt ist herunter gefallen. Hoffentlich ist das die Erklärung. Fritz trocknet alle halbe Stunde die Bilge und tatsächlich wird es weniger. Erleichterung macht sich breit. Aber der Wind nimmt zu und wir verkleinern das Segel bis auf ein „Taschentuch“. Der Mast fängt an zu Pumpen und wir wissen erst einmal nicht, was wir tun können. Da hat Fritz eine Idee: Er nimmt die Blöcke vom Parasailor und befestigt sie mehr seitlich und mehr unten auf dem  Deck. Das wirkt Wunder. Zwischenzeitlich hat der Auto Pilot sich ganz verabschiedet. Also übernehme ich das Ruder und Fritz montiert einen neuen Anschluss. So, und nun ist es Vormittag und wir werden frühstücken. Wetter  bleibt weiter stürmisch!

TAG 11: 06. - 07.12.06:

Der 11. Tag begann mit Etmal von 141sm und alles nur mit 10qm Segel. Das ist kein Segeltörn, sondern ein wilder Ritt über den Atlantik. Die Mittagsmahlzeit beschränkt sich auf das Öffnen und Wärmen einer Dose Bohneneintopf. Selbst das ist eine akrobatische Übung. Da die Katzen nicht mehr aus ihrem Napf trinken, klemme ich mich auf dem Schiffsboden zwischen Tisch und Koje ein und halte den Trinknapf in der Waage (so gut das geht) und tatsächlich - sie trinken. Das Wasser in der Bilge war wirklich nur verschüttetes Wasser und wir sind heilfroh. Mit Silene sind wir immer noch in Funkkontakt und wir hoffen, dass das so bleibt. Sie haben Fisch gefangen und da es keine Vögel mehr gibt, versucht Fritz es auch noch einmal. Aber irgendwie klappt das bei uns nicht. Die Angel war erst 10 Minuten im Wasser, da ruckt es auch schon. Fritz versucht die Leine (- 35 kg) einzuholen, da knackt es und weg war der Fisch mit unserem schönen Köder. Aber so einen großen Fisch wollen wir ja gar nicht. Am Abend wird es etwas ruhiger und wir gehen wieder zu Schlaf- und Wachrhythmus über. Alle 1,5 –2 Stunden wird gewechselt. Die Katzen erholen sich spürbar und wollen jedes Mal trinken und fressen. Ein paar Mal ziehen Squalls (Boenschauer mit 30-40 kn Wind und Regen) über uns hinweg So ist es nie langweilig während der Nacht. Morgens mit Silene gefunkt und Position abgeglichen. Sie sind ca. 10sm vor uns. Danach Frühstück mit weich gekochtem Ei und Kaffee, das hebt die Stimmung an Bord und natürlich freuen wir uns, die Hälfte des Weges geschafft zu haben.

TAG 12: 07. - 08.12.06:

Unser größtes Etmal bisher 158sm. Im Moment segeln wir recht gut bei 20-25kn Wind und 4m hohen Wellen. Der Köder an der Angel ist wieder abgebissen worden, also doch Spaghetti mit Fertigsauce zum Mittag. Wir haben wieder Funkkontakt zu Atalaya und Silene. Mit Silene fast Sichtkontakt und dann ist es soweit. Um 16.00 Uhr gibt es ein Meeting auf dem Atlantik. Temptation und Silene kommen sich nach ca. 1500sm (Hälfte der Strecke) bis auf 100m nah. Schön war es und wir machen gegenseitig Bilder und versuchen zu filmen. Die Silene ist in der schrecklichen Nacht bei und geblieben, wofür wir sehr dankbar sind. Auf der Silene segelt ein ganz junges norwegisches Paar, die die Welt umsegeln wollen. Für die Überquerung haben sie 2 junge Männer an Bord. Eli und Jorn können nachfühlen, wie es uns zu zweit bei dem Wetter geht. Am Abend bekommen wir wieder viele Nachrichten über das Sat Telefon. Dankeschön an alle. Dann beginnt die nächste Horrornacht. Der Wind nimmt zu und es sind Squalls im Anzug. Silene bietet uns an, uns über Funk die Squalls anzukündigen, damit nicht ständig einer von uns vor dem Radar sitzen muss. Das ist der viel gepriesene Spirit der ARC, den wir hautnah erleben. Wir nehmen dankbar an. An den Rändern der Squalls nimmt der Wind auf 30-35kn zu. Also ständiges Ein – und Ausreffen. Die Regenschauer, die herunter kommen, sind wenigstens warm. Zweimal steigt eine Welle ins Cockpit, aber auch daran haben wir uns gewöhnt. Hoffentlich hält die Temptation den ständig sehr hohen Belastungen stand. Erst ab dem 11.12.06 soll es besser werden. Noch lange hin.

TAG 13: 8.-9.12.06

Ein Etmal von 144sm. Wir sind flott unterwegs. Zum Mittag gibt es vorgefertigte Röstis die ich „nur „ 15 Minuten braten muss. Festgeklemmt halte ich die Pfanne auf dem Herd. Zwischen meinen Füssen, wie zu Hause Flocke, die wie immer wenn ich koche zu Fressen haben möchte. Lebensgefährlich für die Katze Dann versuche ich Spiegeleier zu braten, was der Seegang nicht zu lässt .Es werden Rühreier. Dazu Tomaten mit Basilikum (noch lebt mein Pflänzchen) ein köstliches Mahl. Am Nachmittag lässt der Wind nach und wir erholen uns spürbar und hoffen auf eine ruhige Nacht. Wirklich schön ruhig und wir können jeder 3Stunden am Stück schlafen. Beim Wachwechsel wissen wir, dass wir auf Columbus Spuren wandeln, denn wir haben die gleichen Haustiere an Bord. Andenken an Gran Canaria „Kakerlaken“. Ich hätte vielleicht auch noch die Kartoffeln waschen sollen? Eine habe ich totgeschlagen und nun kommt das Supermittel zum Einsatz. Wir sind gespannt ob es nützt. Ganz schön ekelig das Ganze. In der Nacht nur wenige kleine Squalls, aber am Morgen kommt einer mit nicht so viel Wind, aber mit heftigem Regen. Prima, 10cm Wasser in der Spülschüssel im Cockpit und die Temptation ist Süßwasser gespült. So kann es bleiben.

TAG 14: 9-10.12.06:

Kein Rekord Etmal 133sm, dafür aber wunderschönes erholsames Segeln, welches zu lässt, ein bisschen mit den Segeln zu arbeiten. Als erstes Baumen wir die Genua mit dem Spi Baum aus, was  schon etwas mehr Geschwindigkeit bringt. Die  Silene fährt auf beiden Seiten Genuas die ausgebaumt sind. Können wir nicht, weil wir nur einen Spi Baum haben. Also setzen wir das Großsegel dreifach gerefft und fahren Schmetterling, gesichert mit einer Leine gegen Umschlagen des Großbaums. Fritz turnt schön angeseilt auf dem Vordeck herum ,während ich gemütlich im Cockpit an den Leinen arbeite. Und tatsächlich wir werden etwas schneller. Jetzt können wir eigentlich mal wieder probieren zu angeln. Das Gaff (Haken um den Fisch an Bord zu holen) aus der Backskiste geholt, dabei ein Loch in einen Fender gestochen! Schleppangel ausgebracht und gewartet. Nach ca.1 Stunde ruckt es an der Angel und die Leine rauscht aus. Fritz versucht die Bremse zu betätigen und den Fisch heran zu holen.“ Man das muss ein Mordskerl sein „ sagt er zu mir. Er hat das noch nicht ganz ausgesprochen, macht es knack und der Köder mit Leine ist wieder einmal weg. Am Abend mit Karsten gesprochen ,was ausgesprochen gut tut. Biggi schickt wie immer Wetterbericht und News von der ARC. Als es dunkel wird holen wir das Großsegel wieder ein ,aber die Genua bleibt ausgebaumt ,denn wir können  trotzdem durch Einrollen reffen. Der Wind ist nicht stark 20kn und wir segeln gemütlich durch die Nacht. Der Mond kommt spät gegen 24 Uhr und die Sterne leuchten. Bisher noch keine Squalls zu sehen und ich kann zum ersten Mal während der Wache ein Buch lesen. Ach ist das schön. Mittlerweile sehen wir außer Silene noch Lichter von 2 weiteren Schiffen. Wer das wohl sein mag? Ein Schiff gibt sich am Morgen über Funk zu erkennen. Es ist die Papillon, ein weiteres ARC Schiff. Gegen 7.00 Uhr, Fritz hatte Wache kommt die Warnung von Silene. Dicker Squall im Anmarsch. Fritz refft das Segel schließt den Niedergang und zieht die Ölzeugjacke an. Ich bleibe im warmen Bett. Und tatsächlich eine halbe Stunde Starkwind und Regen. Gut ausgeschlafen und ausgeruht bereite ich das Frühstück. Aufgebackenes Baguette mit Eiern und Speck. O-Saft Kaffee und Tee. So kann es bleiben.

TAG 15: 10-11.12.06:

Tag 15 beginnt wieder mit einem guten Etmal von 131sm und wunderbarem Segeln. Der Wind nimmt zu und es wird sofort wieder rauer. Gegen 11.00 Uhr UTC erreichen wir die magische Grenze von noch 1000sm zu segelnder Strecke. Da bricht plötzlich die Herdabdeckung aus der Verankerung. Fritz klebt sie und bringt eine Verstärkung an. Tolles Segeln bei nur 3m Wellen und strahlend blauen Himmel, weißen Wolken und tintenblauen Wasser. In der Nacht bleibt der Ozean ruhig, so dass wir alle 3 Stunden Wachwechsel haben. Welch ein Luxus, drei Stunden am Stück zu schlafen. Während der Wache vertreibt mir ein Buch die Zeit. So kann es bis St Lucia bleiben. Nach dem Frühstück, der Wind hat etwas nachgelassen, schiften wir die Genua nach Steuerbord und setzen das dreifach gereffte Großsegel. In flotter Fahrt geht es weiter im Schmetterling. Das einzige Problem sind nun unsere Solarzellen, die durch die Segel abgedeckt werden. Fritz turnt schön angeseilt auf dem Vordeck herum, um eine geeignete Position zu finden. Mittlerweile segeln wir zu dritt und haben Funkkontakt mit 5 Schiffen, welches uns ein gutes Gefühl gibt. Gestern lasen wir in den ARC News, dass wieder ein Schiff aufgegeben werden musste, nachdem sie ihr Ruder verloren hatten, aber wenigsten sicher abgeborgen wurden. Stimmt uns traurig, weil wir dieses Schiff und die beiden Männer kannten, da sie an unserem Steg gelegen haben. Außerdem hat schon wieder eine Yacht ihren Mast verloren.

TAG 16: 11-12.12.06:

Tag 16. fängt mit einem Etmal von 138sm, wieder bei wunderschönem Segelwetter, nicht schlecht an. Bisher passt unsere Geschwindigkeit prima mit der von Silene zusammen. Nun ist auch Lady Star Dust zu uns gestoßen. Wir segeln Schmetterling, welches wegen der noch hohen Wellen große Aufmerksamkeit erfordert. Da alles so wunderbar läuft, backe ich uns eine Pizza mit Oliven und Thunfisch (aus der Dose). Wir lassen es uns richtig schmecken, fehlt nur noch ein Glas Rotwein (kein Alkohol während des Segelns). Am Abend nimmt der Wind noch mehr ab und unser Großsegel beginnt zu schlagen. Wir bergen es und fahren nur noch mit Genua. Leider nimmt der Wind noch mehr ab und für eine halbe Stunde motoren wir. Ein Squall kommt und bringt wieder etwas Wind. Nach dem Frühstück entschließen wir uns, den Parasailor zu setzen und sofort ziehen wir mit 5kn davon. Silene hat Probleme mit der Windsteuerung, leider auch mit der Elektrik. Dadurch waren sie gezwungen, ihre Segelfläche zu reduzieren und die ganze Nacht mit der Hand zu steuern. Es wäre zu schade, wenn wir uns verlieren würden. Hoffentlich holen sie wieder auf. Kein Rollen mehr, seit wir den Parasailor setzen konnten. Nun wird es Zeit für Hausarbeit bzw. Schiffsarbeit: Kühlschrank säubern und Flocke bürsten.

TAG 17: 12-13.12.06:

Ein Etmal von 114sm ist nicht gerade das Grösste, dafür konnten wir aber wunderschön segeln. Um 11 Uhr setzen wir den Parasailor und hoffen, dass wenigsten die 10kn Wind bleiben. Aber der Wind wird immer schwächer, so dass wir um 16.00 Uhr Segel bergen und Motor an . Zuerst noch mit Unterstützung der Genua wird motort, aber um 22.00 Uhr muss auch die eingeholt werden. Während der Motor läuft, haben wir Kühlschrank und Wassermacher in Betrieb und füllen das Wasser in den Tank. Ansonsten ist eine ganz ruhige Nacht und ich lese in der Wache. Heute unseren letzen Yoghurt verspeist; nun gehen wir zu Milch aus Milchpulver über. Im Kühlschrank ist noch ein letztes Stück Käse, danach kommen die Wurstkonserven an die Reihe. Bisher sind wir sehr zufrieden mit den Lebensmitteln, die wir eingekauft haben. Weiterhin sind wir mit Silene in Sichtkontakt und mit Lady Star Dust und Atalaya in Funkkontakt. Silene konnte gestern bis um 21.00 Uhr segeln, weil sie einen großen Spinnacker und das Großsegel setzen konnten. Sie müssen von Hand steuern, weil die Windsteuerung nicht funktioniert und sie keinen Autopiloten haben. Gut, dass sie zu viert sind, aber sie sind trotzdem alle ziemlich müde. Wir sind glücklich, dass unser Autopilot so gut und schon so lange arbeitet. Toi toi toi, dass das so bleibt. Lady Star Dust hatte einen ganz schlechten Tag. Erst ist ihnen 1 Liter Milch im Kühlschrank aus gelaufen. Dann funktionierte die Windsteuerung nicht mehr und der Autopilot gab den Geist auf. Als sie den Motor starten wollten, hatte sich irgend etwas im Propeller verfangen. Also musste Paul tauchen, um zu sehen, was es war. Eine Leine hatte sich um den Propeller gewickelt. Er konnte sie ab schneiden. Wir waren erleichtert, als alles wieder in Ordnung und er heil an Bord war.

TAG 18: 13-14.12.06:

Dank des Motors ein Etmal von 120sm. Aber kein schöner Segeltag. Die Sonne brennt; das ist ohne Wind kaum zu ertragen und zusätzlich heizt der Motor die Temptation auf. Im Schiff sind es 32 Grad und das zusätzliche Motorgeräusch machen die Katzen völlig fertig. Flocke trinkt nicht mehr und jammert. Ich gebe ihr alle 15 Minuten 10 ml Wasser mit einer Spritze. Nach 2 Stunden geht es ihr besser. Um 16.00 Uhr setzen wir den Parasailor und versuchen ein bisschen zu segeln. Aber mit 5kn Wind ist das nicht möglich. Mea trinkt und frisst jetzt auch wieder und wir erholen uns vom Lärm. Zwischendurch mit unserem letzten Köder versucht zu angeln. Natürlich ohne Erfolg, denn diesmal mögen die Fische unseren Köder nicht. Biggi schickt Wetterbericht und ARC News. Besonders hat es uns gefreut zu hören, dass die Spici die Cap Verden verlassen hat und segelt. Ilona hat sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen und es war nicht klar, ob es weiter geht. Um 18.00 Uhr geben wir auf zu segeln, starten den Motor und setzen die Genua. Es folgt eine ruhige, laute und warme Nacht. Um 7.00 Uhr kommt Wind auf, seither segeln wir wieder mit ausgebaumter Genua und 5,2kn und hoffen, dass wir nicht mehr bis St Lucia motoren müssen. Flocke holt das Fressen und Trinken nach und steht mit gespreizten Beinchen wie ein Seemann im Schiff vor den Näpfen.

TAG 19: 14-15.12.06:

Tag 19 beginnt mit einem Etmal von 123sm aber unter Motor. Seit 12.00 Uhr segeln wir wieder Schmetterling mit gut 5kn und wenig Welle.  Zwei weitere Schiffe haben Probleme , können nicht mehr segeln und haben kein Wasser und Diesel. Silene ändert den Kurs um ihnen zur Hilfe zu kommen, aber Fritz stellt fest, dass die Schiffe zu weit hinter uns liegen, so dass wir am Schnittpunkt 3 Tage warten müssten um sie zu treffen. Da das unmöglich ist , geht auch Silene auf den alten Kurs. Da sind wir aber froh, denn nach so langer Zeit wäre es schon schön wenn ARC Schiff 247 Silene und 246 Temptation zusammen in St Lucia einlaufen könnten. Je höher die Nr.,je kleiner das Schiff. Die Twist 253 ist das kleinste Schiff der ARC Fleet. Biggi schickt Wetterbericht und ARC News und wir stellen fest, dass noch keins der kleinen Schiffe angekommen ist. Um 20.00Uhr holen wir das Großsegel ein um nur mit der Genua über Nacht zu segeln. Kaum getan kommt auch schon der erste schwere Squall. Es stürmt und regnet und trotz Ölzeug bin ich binnen kürzester Zeit pitschnass. Das einzig Gute: Der Regen ist warm. Das wird die Nacht der Squalls, denn einer folgt dem anderen. Was bedeutet einreffen und ausreffen und nicht wie die letzten Nächte geruhsames Lesen. Auch am Morgen halten die Schauer weiter an mal sehen wie es weiter geht. Außerdem ist die See furchtbar unruhig, da die Ozeanwelle nicht mit der Windsee übereinstimmt. Also zum Frühstück nur Müsli und Cola.

TAG 20: 15-16.12.06:

Ein Etmal von 131sm - wir sind zufrieden bei dem Wetter. Bis zu 40kn Wind am Anfang und Ende der Squalls und zwischendrin 10kn begleitet von Starkregen. Da sie langsam ziehen können wir sie gut auf dem Radar erkennen. Bei einer Böe fällt das Sat Telefon aus der Halterung und die Antenne ist beschädigt. Hoffentlich können wir mit der Handantenne noch senden und empfangen. Um 15.00 Uhr endlich kein Squall mehr zu sehen und Ruhe kehrt ein Wir segeln mit gut 5kn. Um mehr Segel zu setzen ist der Wind zu stark. Biggi schickt Wetterbericht und ARC News. Der Empfang hat schon noch geklappt. Das kleinste Schiff der ARC, die Twist 9m, ist angekommen. Da können wir nur gratulieren. Wir brauchen ,wenn alles gut geht noch bis Montag Nachmittag. Am Abend sind keine Squalls zu sehen, aber eine unruhige See, so dass wir in der Koje hin und her geworfen werden. Erst gegen Morgen sind sie wieder da, aber das soll jetzt besser werden . Hoffentlich! Also so richtig schöne Passat Segeltage hatten wir nicht besonders viele, vielleicht die letzten beiden.

TAG 21: 16-17.12.06:

Ein zufriedenstellendes Etmal von 131sm bei viel Wind - 22-25kn. Der Wetterbericht sagt
15- 20kn. Bei dem Wind können wir unsere Segel nicht nutzen, da wir immer nur mit Genua segeln. Wir wollen auf den letzten Meilen nicht noch unser Rigg gefährden. Gut das Silene das auch so sieht, denn es ist schon schwierig, kurz vor dem Ziel, sich zurück zu nehmen und nicht zuviel zu wollen. Sonst gibt es nichts zu berichten, außer 24 Stunden Squalls, Squalls ,Squalls. Das bedeutet einreffen, ausreffen und abwechselnd  im Regen sitzen. Nur mit Regenjacke bekleidet und mit Lifebelt angeschnallt ohne Rettungsweste weil alles in kürzester Zeit durchnässt ist. Die Rettungsweste würde durch den Regen auslösen. Aber nur noch eine Nacht und wir sind in ST Lucia.

(Vorletzter) TAG 22: 17-18.12.06:

Tag 22 - der letzte Tag - beginnt mit 134 sm. Es war wieder eine Nacht der Squalls und sie hören nicht auf. Unsere Haut ist schon aufgeweicht wie nach einem zu langen Bad. Gegen 18.00 Uhr endlich kein Regen mehr. Dafür aber auch kein Wind und wir müssen 2 Stunden motoren. Da kommt über Funk: „Silene hat einen Kabelbrand.“ Schnell den Motor ausgeschaltet und Segel gesetzt. Taluha biete Hilfe an, aber Silene funkt: „Wir suchen den Fehler und Temptation ist in Sichtweite.” Dann ist erst einmal kein Funkkontakt mehr möglich. Fritz will gerade zurück motoren, da kommt ein Anruf: “Wir haben den Fehler und können reparieren, aber wir haben eine Energie und nehmen den Schleppgenerator in Betrieb.“ Erleichterung macht sich breit. Jetzt können wir die letzte schöne Nacht wirklich genießen. Obwohl kein Mond zu sehen ist, beleuchten Millionen von Sternen das Wasser, so dass man gut alles sehen kann. Der Atlantik zeigt sich noch einmal von seiner schönen Seite. In der Nacht sehen wir einen hellen Schein an unserer Bachbordseite. Das muss Barbados sein - Hurra! Am Morgen kommen die anderen Inseln in Sicht und wir nehmen direkten Kurs auf St Lucia. Schon verblassen die Strapazen der letzten 22 Tage und wir finden es schon nicht mehr so schlimm.

(Letzter) TAG 23: 18-19.12.06:

Wir sehen im Morgengrauen St Lucia vor uns. Langsam kommt die Insel näher und der letzte Akt beginnt. Unser Kinder und meine Eltern melden sich über Handy und gratulieren uns. Schön, die
Stimmen zu hören. Wir melden uns 5sm vor Pigenon Island über Funk bei ARC Controll und bekommen Antwort, uns 2sm weiter zu melden. Gesagt getan, da kommt uns ein Dingi mit Photograph an Bord entgegen und macht Bilder von uns. Wir sehen die Ziellinie gekennzeichnet durch zwei Schiffe.
Langsam überqueren wir die Linie, 10 Minuten nach Silene und werden mit Fanfaren begrüßt. Am Steg ist unser Liegeplatz zwischen Silene und Black Arrow. Viele Menschen, bekannte und unbekannte Gesichter, klatschen und rufen und machen einen unbeschreiblichen Lärm. Völlig überwältigt geben
wir unsere Leinen an Land und machen fest. "Die Twins are arrived” rufen sie uns zu. Wir springen an Land, aber was ist das - die Beine fangen an zu zittern und wir können uns kaum auf dem Steg halten (die lange Zeit auf See). Wir umarmen viele der bekannten und unbekannten Leute und meine Anspannung fällt plötzlich ab und ich kann meine Tränen nicht zurück halten. Das Crossing war eine Herausforderung, die wir mit unserem kleinen leichten Schiff gemeistert haben, aber es war nicht die einfache Überfahrt von der ich, Christiane, geträumt habe.

Wir bekommen zur Begrüßung Rum Punsch und einen Früchtekorb von der ARC. Zurück an Bord erst einmal " klar Schiff machen" und die Katzen versorgen. Überall hören wir Musik und Dinghis fahren durch die Bay, beladen mit Früchten und anderen Sachen. Eine exotische andere Welt, laut, warm und geschäftig mit Bewohnern dunkler Hautfarbe, Rasterlocken. Alle sind freundlich und offen zu uns. Wir holen Geld und eine Sim Karte für unser Handy. Am Abend findet eine Begrüßungsparty des Managers der Rodney Bay Marina in seinem Haus statt. Eine perfekt organisierte Party erwartet uns. Wir werden mit Großraumtaxen auf die andere Seite der Bay gefahren und mit leckeren Häppchen, Rum Punsch und anderen Getränken versorgt. Dazu Steel Musik und noch eine andere Band unterhält uns mit Live
Musik. Wir unterhalten uns prima mit anderen Seglern und tauschen Erlebnisse aus. Überall ernten wir Bewunderung, als Doublehander mit der kleinen Temptation ohne Schäden angekommen zu sein
(tut gut). Um 22.00 Uhr Ortszeit gleich 2.00 Uhr UTC fallen wir todmüde ins Bett. Um 6.00 Uhr Ortszeit geht die Sonne auf und wir gehen zum Frühstück ins Internetcafe, um unsere mail und unsere Homepage zu sehen. Danke an alle, die uns geschrieben haben und unsere Reise mit verfolgt haben. Es war nicht einfach in der rauhen See am Computer zu schreiben, aber es hat uns geholfen, die vielen Stunden mit Angst zu verarbeiten. Als letztes Highlight sahen wir uns auf den ARC News mit Bild und Story bei der Ankunft - nun werden wir die Caribic und erst einmal St Lucia in vollen Zügen genießen.

2- Starkwind vor uns Silene

Starkwind - vor uns Silene.

3- Silene

Silene.

4- Ruheplatz unter Deck

Ruheplatz unter Deck

5-Silene unter Twiggelrig

Silene unter Twiggelrig

6- St.,-Lucia kommt in Sicht

St. Lucia kommt in Sicht

7- Obstkauf am Steg

Obstkauf am Steg

8-Blick aus dem Cockpit

Blick aus dem Cockpit

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